Wie Inès Patin eines Eselbabys wurde und sich damit ihr Kindheitstraum erfüllte


DIE WUNSCHGESCHICHTE DER WOCHE

 

Lieber Pierre,

von 17. bis 19. September gastierte der Zirkus Barelli in Baden-Baden. Leider erfuhr ich davon erst am 20.9. Da ich aber nun gelernt habe, dass selbst Unmögliches wahr werden kann, wünschte ich mir, dass ich die Vorstellung doch noch besuchen könnte. Natürlich bekam ich noch am gleichen Nachmittag von meinem Lebensgefährten die Nachricht, dass der Zirkus Barelli seinen Aufenthalt verlängert habe, bis zum 23.9., so stehe es in der Zeitung.

Also fuhren wir zum Zirkus, um Karten für die Freitagsvorstellung zu kaufen, aber leider waren die Kassen geschlossen. Als ich zu den Wohnwagen schlenderte, kam mir ein zerzauster Mann im Morgenmantel entgegen – wie sich später herausstellte: der Zirkusdirektor. Nachdem sich Herr Barelli für sein Aussehen entschuldigt hatte, erklärte er, dass man keine Karten reservieren müsse, da der Zirkus leider sehr wenig besucht sei und deswegen auch keine Vorstellung stattfinde. Ich bat darum, dass alle Anwesenden wenigstens die Tierschau besuchen dürften, damit vor allem die Kinder eine kleine Freude hätten. Und dieser Wunsch ging prompt in Erfüllung – kostenfrei!

Während des Rundganges durch die Tierschau wünschte ich inständig: »Die Vorstellung findet statt!« Ich hatte leider vergessen, »heute« zu sagen, und so fand sie eben nicht am gleichen Tag statt. Am Samstag traf ich dann mit meiner Mama pünktlich vor Ort ein. Bei der 20-Uhr-Vorstellung waren leider wieder nur 42 Leute, aber sie wurde trotzdem durchgeführt.

Der Zirkusdirektor brachte seine Traurigkeit darüber zum Ausdruck, hatte aber dann auch eine freudige Nachricht, denn in der vergangenen Nacht war ein Eselbaby gesund zur Welt gekommen und es sollte am nächsten Tag in der Nachmittagsvorstellung getauft werden. Mein Herz schlug bis zum Hals … Warum? Esel sind meine Lieblingstiere!

In der Pause durfte man beim Besuch der Tierschau auch das Eselbaby hautnah erleben. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich konnte nach Herzenslust mit dem Eselbaby schmusen. In mir keimte ein Wunsch auf, der während der zweiten Vorstellungshälfte immer stärker wurde: »Ich möchte das Eselbaby am nächsten Tag in der Manege taufen!« Ich ließ den Wunsch los und vertraute auf die Erfüllung, auch wenn es vollkommen verrückt schien.

Als die Vorstellung zu Ende war, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fragte den Zirkusdirektor, der am Ausgang stand: »Ich frage Sie jetzt einfach etwas, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Darf ich morgen das Eselbaby taufen?«

Nun war es raus.

Die Sekunden vergingen wie in Zeitlupe, dann antwortete er: »Lassen Sie mich eine Nacht darüber schlafen, ich sage Ihnen morgen Bescheid.« »Aber wann wird denn die Taufe sein: um 15 oder um 18 Uhr?«, fragte ich ein bisschen panisch. Und plötzlich schaute er mich an, als habe ihm gerade jemand etwas ins Ohr geflüstert, und sagte: »Wissen Sie was, Sie dürfen die Taufe des Eselbabys machen und es wird Ihren Namen bekommen.«

Können Sie sich vorstellen, was ich in dem Moment fühlte? Ich fiel Herrn Barelli um den Hals und wankte unter Freudentränen dankbar zum Auto. Der Tag der Taufe war ein kleiner Freudentaumel. Mein Wunsch nach mehr Publikum erfüllte sich, es waren mehr als 120 Personen gekommen. Gegen Ende der Vorstellung war es endlich so weit, die Eselin wurde mit ihrem Baby hereingeführt und der Zirkusdirektor bat mich in die Manege … Mit wild pochendem Herzen trat ich ins Scheinwerferlicht, und plötzlich war die Welt rings um mich vergessen.

Ein Kindheitstraum ging gleichzeitig mit in Erfüllung, denn ich hatte mir immer gewünscht, in der Manege im Rampenlicht zu stehen.

Mit 37 Jahren erfüllte sich nun dieser Kinderwunsch zusammen mit meinem kürzlich versandten Wunsch nach der Eseltaufe. Ich durfte nun das Eselbaby mit Sekt auf meinen Namen »Inès« taufen. Jetzt bin ich, solange die Eselin lebt, die Patin und darf sie im Zirkus Barelli besuchen, sooft ich mag –»denn ein Zirkus verkauft seine Tiere nie«, sagte mir Herr Barelli.

Danke, lieber Pierre, dass Du so vielen Menschen hilfst, ans Wünschen zu glauben. Das Leben ist so wundervoll! Danke, liebes Universum!

Herzliche Grüße
Inès

 

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