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Wie kann man alte Überzeugungen transformieren?

 

Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war,
stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.
(Buddha)


 

Wenn Wünsche nicht eintreffen, gibt es meist einen zweiten unbewussten Wunsch, der stärker ist als der erste. Dieser zweite Wunsch arbeitet dann mit Sicherheit gegen den ersten, und zwar dauerhafter und mit einer wesentlich größeren Kraft. Dieser zweite, gegenläufige Wunsch verkleidet sich oft in Form eines Zweifels oder einer anderen festen Überzeugung. Die meisten dieser störenden Überzeugungen stammen gar nicht von uns.

„Sehr oft sind es die Überzeugungen unserer Eltern, Großeltern oder unserer Geschwister. Manchmal auch unserer Lehrer, Freunde und Bekannten. Nicht selten sind es auch die Überzeugungen unseres Pfarrers, des Kindergartens, der Schule, des Fernsehens, der Werbung, der Illustrierten ... Es sind meist deren Meinungen und Moralvorstellungen. Genau genommen hat jeder, der in unserem Leben in irgendeiner Art und Weise eine entscheidende Rolle gespielt hat, an unserem Glauben Anteil. Vor langer, langer Zeit, als wir auf die Welt kamen, und natürlich noch lange bevor wir überhaupt zu denken begonnen haben, wurde uns bereits beigebracht, wer wir sind und wie wir uns in dieser Welt zu verhalten haben.“

Uns wurde vor allem beigebracht, was falsch und was richtig ist, was als schön und was als hässlich zu bewerten sei, was gut und was schlecht sei und welche Moralvorstellungen wir zu übernehmen hätten.

Wir lernten bereits sehr früh, zu bewerten und zu verurteilen. Was wir heute verurteilen, basiert meistens auf der Moral und den Wertvorstellungen unserer Eltern, Bekannten, Schullehrer und Freunde. Es sind meist deren Glaubenssätze und Visionen, die wir noch heute nachzuleben versuchen. Wir bewerten aber nicht nur andere. Wir bewerten auch uns selbst. Und zwar meist auf die gleiche Weise, wie unsere Eltern uns gesehen haben.

Und so kommen zu all diesen Glaubenssätzen noch all jene, die wir über uns selber denken, zum Beispiel: „Ich werde es nie richtig machen. Ich habe nie Geld. Ich bin ein Versager. Ich bin nicht schön genug. Das steht mir nicht zu. Ich kann sowieso nichts ausrichten. Ich glaube nicht, dass das noch etwas wird. Die anderen sind viel besser, klüger, schneller.“

Wenn man dies oder Ähnliches denkt, sollte man sich fragen, wer uns diese Sätze von Anfang an so lange vorgebetet hat, bis wir sie als eigene Wahrheit übernommen haben.

 

Übung

 

Um diesen alten – und teilweise ins Unterbewusstsein verdrängten – Glaubensmustern auf die Schliche zu kommen, ist es sehr nützlich, sie aufzuschreiben:

 

●   Zunächst schreiben wir die Sätze auf, die man uns als Kind immer wieder vorgeworfen hat – also all das, was wir negativ in Erinnerung haben. All die furchtbaren, demütigenden und verletzenden Sätze, die wir als Kinder hören mussten. „Das kannst du nicht, lass mich das besser machen, dafür bist du zu blöd, du taube Nuss, so wie du aussiehst, wirst du nie einen Mann finden.“

●   Lass dir Zeit. Jeder kennt solche Sätze, erinnere dich einfach und notiere sie.

 

Diese Liste kann sehr lang sein. Aber keine Sorge, du bist nicht allein, jeder von uns hat eine umfassende Liste. Obwohl die Torpedierung mit den meisten dieser Sätze bereits lange zurückliegt – manchmal dreißig, vierzig oder sogar fünfzig Jahre –, ist es immer wieder erstaunlich, wie stark die Aussagen noch heute, obwohl wir doch bereits erwachsen und so „reif“ sind, in uns wirken und unser gesamtes Leben beeinflussen.

Allein das Aufschreiben dieser Sätze bringt oft längst Vergrabenes wieder zum Vorschein, von dem man geglaubt hatte, all das doch längst hinter sich zu haben. Aber bei genauerer Betrachtung wird man sehr oft erkennen, dass es genau diese Aussagen sind, die noch immer tief in uns wirken. Weil wir nach wie vor – manchmal völlig unbewusst – vom Wahrheitsgehalt der unbedachten Sprüche unserer Eltern überzeugt sind, holen wir uns immer wieder die Bestätigung unserer (vermeintlichen) Unzulänglichkeit in unser Leben.

 

Auch ich habe viele solcher Sätze zu meiner Wahrheit werden lassen. Schon der allererste Satz meiner Mutter, als sie mich frisch geboren im Arm hielt, hatte viele Jahrzehnte Bestand. Kaum war ich auf der Welt, begrüßte sie mich – wie sie mir später ziemlich beschämt gestand – mit folgenden Worten: „Der Schönste bist du ja nicht gerade.“

Dieser Satz wurde für viele Jahre zu meiner Wahrheit und sorgte für gewaltige Minderwertigkeitsgefühle. Meine Mutter hatte es sicherlich nicht böse gemeint und dennoch war diese Meinung prägend. Sie wurde zu meiner Wahrheit. Wenn andere mich später attraktiv, sexy oder gut aussehend fanden, glaubte ich ihnen nicht. Wenn mich dagegen jemand in der Meinung bestärkte, ich sei ja eher ein Charaktertyp, da ich schließlich nicht besonders gut aussähe, konnte ich mich dieser Meinung vorbehaltlos anschließen.

 

Du bist nicht alleine mit allen deinen von den Eltern übernommenen Sätzen, die zu deiner Wahrheit geworden sind.

Es kann sein, dass du beim Schreiben deiner Liste traurig oder wütend wirst oder dich müde und schlapp fühlst. Lass alle Gefühle zu, die hochkommen. Alle diese Gefühle trägst du seit langer, langer Zeit mit dir herum.

 

●   Nachdem du alle diese Sätze aufgeschrieben hast, die dein Leben bestimmt haben, beginnst du, sie ins Positive umzuformulieren. Sätze wie „Das kannst du nicht“ könntest du zum Beispiel abändern in: „Ich kann alles, was ich möchte.“
„Du findest nie einen Mann“ wird zu „Ich bin ein Geschenk für jeden Mann!“
„Du bringst nur Unglück!“ wird zu „Ich bin ein Geschenk für jeden, der in meinem Leben ist!“
„Du bist zu dick“ wird zu „Ich liebe mich so, wie ich bin.“

 

Wenn wir diese Sätze positiv umwandeln, geschieht etwas sehr Tiefgreifendes. Unser Verstand beginnt sich neu einzustellen. Wir lernen, dass es eine Alternative zu dem gibt, was wir bisher als „wahr“ angenommen haben.

 

Wenn wir uns nun noch die Frage stellen: „Wer hat das damals zu uns gesagt?“, werden wir oftmals feststellen: Die Person, die uns diese Sätze vorgeworfen hat, hat vermutlich gar nicht uns persönlich gemeint, sondern war selbst in verschiedenen Mustern gefangen; sie hat nur sich selbst gesehen. Vielleicht war sie in eigenen Problemen gefangen, war überarbeitet, ungeduldig, steckte in einer Krise mit dem Partner, in finanziellen Schwierigkeiten oder war vollkommen überfordert mit der Situation.

Oft wiederholen Erwachsene, zum Beispiel unsere Eltern, nur die Sätze, die sie selbst immer gehört haben, als sie Kinder waren. Sie haben keine anderen Mittel als die, die man ihnen auf den Weg mitgegeben hat. Und so haben sie das einfach auf ihre Kinder – also auf uns – übertragen.

 

Wir können jetzt aus diesem Kreislauf aussteigen. Sobald wir annehmen können, dass wir gar nicht gemeint waren; dass man uns in unserer kindlichen Kreativität, Neugier, Lebendigkeit und dem Potenzial, das wir in uns trugen, nicht erkannt hat; dass unsere Eltern infolge ihrer Überforderung sehr oft nur versucht haben, ihre Ruhe zu haben ... Sobald uns dafür die Augen aufgegangen sind, fällt es uns wesentlich leichter, uns von diesen Sätzen zu distanzieren. Dabei helfen uns die ins Positive umformulierten Sätze.

Wir haben jetzt die Chance, die alten, negativen Muster zu transformieren, sprich: sie loszulassen. Dies geht am einfachsten, wenn wir keinen Groll gegen die Personen hegen, die uns diese Sätze vorgeworfen haben, sondern wenn wir diese Sätze voller Liebe und Zuneigung den Urhebern zurückgeben.

 

●   Stell dir vor deinem geistigen Auge vor, wie du die Liste der negativen Sätze an die Person aushändigst, die sie dir vorgeworfen hat, und wie du dich umdrehst und einfach weggehst.

 

Wir sollten dabei bedenken, dass die Menschen, die uns damals diese Sätze eingeimpft haben, das Beste taten, was sie tun konnten. Zu mehr waren sie nicht fähig. Das bedeutet nicht, dass sie gute oder schlechte Menschen sind. Sie sind eben Menschen mit Fehlern und Begrenzungen. Damals wussten sie es einfach nicht besser.

 

Solange wir noch Groll und Wut mit uns herumtragen,

können wir uns von negativen Mustern und Glaubenssätzen nicht lösen.

 

Deswegen ist es das Beste, sich auf die positiven Sätze zu konzentrieren und zu fokussieren.

 

●   Spüre die Kraft und die Freude, die von dieser positiven Entsprechung ausgeht. Identifiziere dich damit und du wirst merken, wie die Wirkung der negativen Mustersätze immer mehr nachlässt und wie sie sich allmählich aus deinem Leben verabschieden.

●   Am wirkungsvollsten ist hier ein kleines Ritual, bei dem du die alten Mustersätze, die du aufgeschrieben hast, an einem sicheren Ort verbrennst.

●   Und während du dies tust, spüre tief in dir, wie du die alten, nicht mehr gültigen Muster loslässt. Lass alle Gefühle, die in diesem Zusammenhang in dir entstehen, aufsteigen und aus deinem Leben gehen.

●   Fülle die entstandene Leere nun mit deinen positiven Affirmationen. Konzentriere dich darauf.

●   Sprich sie laut und deutlich aus. Lass sie zu deiner neuen Überzeugung werden. Je mehr du in ihre Kraft hineinspürst, desto schneller baut sich das erwünschte Resonanzfeld auf.

 

Wir können unser Leben ändern, manchmal sogar von heute auf morgen. Wesentlich ist, dass wir für einige Zeit dieser neuen Erfahrung Zeit und Raum schenken. Wir sollten die neu definierten Überzeugungen so lange wiederholen, bis sie sich tief in unserem Bewusstsein verankern.

Die Veränderung tritt manchmal schneller ein, als wir vermuten.

 

Eine meiner Seminarteilnehmerinnen teilte mit, dass sich ihr Leben noch am gleichen Abend, nachdem wir die alten Mustersätze gemeinsam verbrannt und sie durch neue, positive ausgetauscht hatten, komplett verändert hat. Ihr Mustersatz war, sie sei nicht liebenswert und sei es überhaupt nicht wert , dass man zärtlich oder nett zu ihr ist. Und so befand sie sich in einer Ehe, in der ihr Mann ihr genau dieses immer wieder spiegelte, indem er ihr die Zärtlichkeit vorenthielt.

Am nächsten Tag erzählte sie uns mit strahlenden Augen: Ohne dass sie ihrem Mann mitgeteilt hatte, was sie energetisch am vergangenen Seminartag getan hatte, habe er sie gestern Abend nach sehr, sehr langer Zeit vollkommen ungefragt in den Arm genommen, sie zärtlich gestreichelt und sie sogar weiterhin im Arm gehalten, als sie weinte. Und am Morgen sei sie in seinen Armen aufgewacht.

 

Wenn wir unser Resonanzfeld verändern, verändert sich unsere gesamte Umwelt. Wir brauchen dazu oft keine Worte. Viel effektiver ist es, sein eigenes energetisches Resonanzfeld, seine Schwingungsfrequenz, zu verändern. Damit lösen wir nicht nur unsere Muster auf, sondern beeinflussen auch die Verhaltensweisen unserer Mitmenschen. Und plötzlich verändern sich Situationen, dass es wie ein Wunder anmutet. In Wahrheit wissen wir aber, dass es keine Wunder sind. Dahinter stehen nur unsere eigene Bereitschaft und unser Mut, uns zu verändern und zu transformieren.

 

 



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