Wenn wir beobachten, wie wir mit uns umgehen, wenn wir allein sind, werden wir wahrscheinlich rasch feststellen, dass wir uns genau genommen nicht besonders mögen. Wir haben keine sehr gute Meinung von uns selbst.
Wir kritisieren uns für den kleinsten Fehler und flüstern uns die verheerende Kritik beständig ins Ohr.
Dieser innere Kritiker geht nicht sehr zimperlich mit uns um. Vor allem kennt er meist nur eins: Kritik, Kritik und nochmals Kritik. Nie haben wir etwas wirklich gut gemacht. Nie sind wir schön genug, gut genug, schnell genug, intelligent oder witzig genug.
Wir verändern uns durch die Meinung anderer
Es gibt eine sehr interessante Untersuchung. Der kanadische Psychologe Albert Bandura zeigte in einem seiner Experimente, wie schnell sich selbst die einfachsten Worte, die man über uns sagt, auf unsere gesamte Einstellung auswirken können. Schon die geringste Bemerkung eines anderen Menschen reicht aus, in uns ein positives Bild oder aber ein Feindbild zu erschaffen. Solche Sätze können zum Beispiel sein: „Du bist zu dumm, zu ungeschickt, zu schwach.“ Diese Aussagen werden automatisch an unser limbisches System weitergeleitet. Das ist der Teil des Gehirns, der für unsere Urängste und primitiven Hassgefühle verantwortlich ist.
Als man bei den Untersuchungen einigen Probanden mitteilte, die anderen hätten eine bestimmte Meinung über sie geäußert – obwohl dies überhaupt nicht der Fall war, sondern für den Versuch frei erfunden –, veränderte sich daraufhin bei allen Probanden das Verhalten, und sie näherten sich dem Inhalt dieser Aussagen an.
Hatte man ihnen zum Beispiel gesagt, man halte sie für brutal, gingen sie wesentlich unfreundlicher und härter mit anderen um. Hielt man sie dagegen für freundlich, legten sie plötzlich ein eher zugängliches und mildes Verhalten an den Tag.
Wir nehmen also Meinungen und Urteile anderer in uns auf und passen unser Verhalten diesen Aussagen an. Unbewusst prägt dies unser gesamtes Wesen. Wie muss sich diese Tatsache erst auswirken wenn wir sie uns selbst ständig sagen.
Höchste Zeit also, unserem inneren Kritiker die Macht zu entziehen.
Beginne jetzt damit! Heute ist ein sehr guter Tag dafür!
Natürlich wird es uns erst einmal schwer fallen, von einer Sekunde zur anderen nicht mehr auf diesen inneren Kritiker zu hören. Dafür haben wir uns viel zu sehr an ihn gewöhnt.
Setz dich deswegen erst einmal einfach nur hin und schreib alle Sätze auf, die dir in diesem Zusammenhang einfallen.
Und dann beginne die Sätze zu hinterfragen. Wir können zum Beispiel jedesmal, wenn wir unseren inneren Kritiker hören, die Frage stellen: „Wer sagt das?“
Wie wir bereits erfahren haben, kann sich unser Gehirn sogar physisch verändern. Wenn wir für einige Zeit etwas Neues tun, denken oder sagen, verändert sich der Teil des Gehirns, der dabei angesprochen wird. Neue Synapsen verbinden sich, damit elektrische Impulse in diesem Bereich schneller fließen können. Innerhalb kurzer Zeit wird dieses neue Denken für unser Gehirn zu einer vollständig neuen Wahrheit.
Dementsprechend werden die Bereiche, die wir vernachlässigen, vom Gehirn wesentlich weniger beansprucht. Der dafür verantwortliche Teil des Gehirns, der nun weniger benutzt wird, kann sich an dieser Stelle sogar verkleinern.
Darüber hinaus haben wir gerade gehört, dass das limbische System jegliche Äußerung einer dritten Person oder von uns selbst sofort übernimmt und wir uns sogar in diese Richtung hin entwickeln.
Wenn wir nun beginnen, neue, positive Mustersätze zu sprechen und zu fühlen, dann verändert sich der dafür zuständige Teil des Gehirns und wird aktiver, und die alten Mustersätze lassen immer mehr nach.
Wir können also eine neue Wirklichkeit entstehen lassen. Eine Wirklichkeit, die uns entspricht.
Was wir tun müssen, ist eigentlich ganz einfach.
Von nun an loben wir uns für alles, was wir tun. Anfangs wird uns das wahrscheinlich übertrieben vorkommen. Aber wenn du genau überlegst, so war die Meinung deines Vaters oder deiner Mutter damals sicherlich auch übertrieben. Wir waren damals bestimmt ebenso erstaunt und ungläubig. Aber diese Sätze wurden so lange wiederholt, bis wir sie annahmen.
Nicht anderes tun wir jetzt auch. Wir loben uns so lange immer wieder, bis wir dieses Lob selbst annehmen und uns schließlich zu dieser Person, die dieses Lob verdient hat, hin entwickeln.
Durch unseren eigenen Zuspruch nehmen wir diese Eigenschaften in uns auf und verändern unser Verhalten in dieser Richtung.
Das geht natürlich nicht von einem Tag auf den anderen. Aber es geht. Jeden Tag ein kleines bisschen. Jeden Tag ein bisschen mehr auf dem Weg zu unserem Glück.
Lobe dich für alles, was du tust.
Belohne dich für jeden noch so kleinen Erfolg.
Schenke allen guten Dingen deine ganze Aufmerksamkeit.
Sei stolz auf dich und sag es dir immer wieder laut.
Werde zu deinem eigenen Fürsprecher.
Du bist wundervoll. Das warst du schon immer. Du bist schön, charmant und zuvorkommend. Du bist einzigartig und begehrenswert. Du bist voller Güte und Mitgefühl. Du bist ein Geschenk Gottes. Es ist eine Freude, in deiner Nähe zu sein.
Die Wahrheit ist das, was du schon immer warst. Von Geburt an. Ein Geschenk Gottes. Ein Quell unendlicher Freude.