Es gibt ein ganz einfaches und dennoch sehr effektives Mittel um Klarheit zu schaffen.
Dieses Mittel hilft dir zum einen deine bestehende Beziehung zu durchleuchten und die Möglichkeit zu schaffen, sie nach deinen Wünschen zu ändern. Zum anderen hilft sie dir aber insbesondere, wenn du momentan frei bist, genau den Partner anzuziehen, der deinen Vorstellungen entspricht.
Aber dazu musst du natürlich erst einmal wissen, welche Vorstellungen du wirklich hast. Und vor allem, ob du tatsächlich bereit bist, all deine Vorstellungen in die Beziehung einzubringen.
Das geht am besten mit der nachfolgenden Liste. Sie hilft dir dabei in folgenden Punkten.
1.Sie ist so etwas wie eine Wunschliste. Alles was du in deiner Beziehung verwirklicht wissen möchtest, wirst du dort wiederfinden. Also all deine bewussten Wünsche und Sehnsüchte.
2.Darüber hinaus hilft sie aber auch, dir über deine unbewussten Wünsche klar zu werden. Sie zeigt dir nämlich nicht nur, wo du dich gerade befindest, sondern vor allem warum du dich da befindest, wo du jetzt gerade bist. Sie ist also so etwas, wie deine seelische Landkarte.
3. Das Wesentlichste an der Liste aber ist der dritte Aspekt: die Bestandsaufnahme. Sie offenbart dir, wie tief und ehrlich deine Bereitschaft, eine wahrhafte Liebesbeziehung einzugehen, in Wirklichkeit ist. Gleichzeitig offenbart sie dir aber auch, mit was du dich überraschenderweise dann tatsächlich zufrieden geben willst. Und das ist meist erstaunlich viel weniger.
Je aufrichtiger deine Liste also wird, desto schneller und genauer wirst du deinen wahren Zustand erkennen und kannst dich deinem gewünschten Ziel nähern.
Wie sieht so eine Liste nun aus? Ganz einfach. Du machst zunächst einmal zwei Spalten. In die eine schreibst du hinein, was du alles in der Partnerschaft vorzufinden wünscht und was dein Partner daher alles mitbringen soll. In die andere Rubrik schreibst du, was du alles bereit bist anzubieten, also das, was du glaubst selbst geben zu können.
Befindest du dich momentan in einer angehenden oder bereits bestehenden Beziehung, machst du eine dritte Spalte. In die schreibst du, was die Partnerschaft dir zur Zeit tatsächlich alles gibt. Dies ist also deine Habenseite.
Kommen wir zur ersten Spalte.
Spalte I
Was ich mir in meiner Beziehung wünsche
Deine Wünsche und Vorstellungen, die du gerne in deiner Beziehung realisiert haben möchtest, scheinen für dich sicherlich auf der Hand zu liegen. Auf den ersten Blick also eine scheinbar einfache Aufgabe. Warum sie aber dennoch einen kleinen Haken hat, werden wir später noch genauer betrachten.
Was sind nun deine Vorstellungen von einer wunderbaren Beziehung? Sei dabei absolut ehrlich. Du brauchst die Liste niemandem zu zeigen. Du kannst sie heimlich machen. Nur für dich. Du brauchst sie nicht preiszugeben. Zumindest nicht, solange du dazu nicht bereit bist. Jetzt geht es erst einmal nur darum, ganz offen und ehrlich zu dir selbst zu sein. Hauptsache du tust es! Egal, wie unmöglich, intim oder peinlich es dir erscheint.
Denn wenn du selbst dich schon begrenzt,
was wird dann erst das Leben mit dir machen?
Also, fang an mit deinen Wünschen! Vergiss das artige Mädchen, den angepassten Jungen, vergiss was deine Mutter sagen würde, wenn sie deine Liste lesen könnte oder dein Freund, Partner, Kumpel, Vater…Es ist deine Liste und nur du liest sie. Und wenn du willst, kannst du sie anschließend auch sofort wieder vernichten.
Jetzt aber schreib sie erst einmal. Und komm bitte nicht mit Ausreden. Zu müde, kein Papier, morgen hättest du mehr Zeit. Hast du nicht schon lange genug gewartet? Du willst eine erfüllte Beziehung haben. Also tu etwas dafür. Nur lesen und gleich wieder in den alten Trott verfallen – das bringt dich nicht weiter. Schon gar nicht an dein gewünschtes Ziel.
Also, lass uns beide mal ein bisschen staunen, was du eigentlich gerne möchtest.
Deine Liste kann kurz oder lang sein, lass dir Zeit, du wirst sie sowieso in den nächsten Tagen oder Wochen immer wieder ändern, vervollständigen oder sogar neu schreiben. Denn je genauer und detaillierter sie wird, umso klarer wird dir deine Vorstellung von deiner Beziehung werden.
Mit dieser Liste definierst du deinen ganz persönlichen Rahmen, in dem alles stattfinden soll.
Also, was bedeutet eine gute Beziehung für dich? Was erwartest du von ihr? Was möchtest du dort erleben?
Genügend guten Sex, Sicherheiten, ruhig einschlafen, vielleicht im Löffelchen, mit einem Lächeln aufwachen, Harmonie, zwei, drei, vier Kinder, geliebt werden, deine Ruhe haben, gekitzelt werden, prickelnde Abenteuerurlaube, eine liebevolle Mutter oder einen umsorgenden Vater für deine Kinder, viel reisen, Überraschungen, oft Ausgehen, tanzen bis zum Morgengrauen,Verbundenheit, Treue, begehrt werden, viel lachen, Tantra, kochen und nie abspülen, wieder Kind sein dürfen, ein Trampolin im Haus, deine Eltern zufrieden stellen, nicht zuviel Sex, die Füße massiert bekommen, auf keinen Fall kochen müssen, Frühstück ans Bett, Blumen, Aufmerksamkeiten, deinen Geburtstag wichtig nehmen, in der Badewanne gefüttert werden, absolute Ehrlichkeit …
Schreib alles auf, was dir in den Sinn kommt. Alles!! Auch wenn es dir noch so belanglos vorkommt. Hätte es nämlich keine Bedeutung, würde es dir nicht jetzt einfallen. Schreib einfach mal drauf los. Aus dem Bauch heraus. Ohne dich zu begrenzen oder zu kontrollieren.
Das mit den Ausreden haben wir ja wohl hoffentlich hinter uns.
Fertig?
Das ist sie also nun, deine Wunschliste. Das alles soll in deiner Beziehung stattfinden. Was immer dir eingefallen ist, liegt nun genau vor dir.
Sehen wir uns doch einmal die Reihenfolge an. Was kommt als Erstes? Und was findet erst weiter hinten Beachtung? Und stimmt das so? Wenn du zum Beispiel meinst, dass manche Dinge, die weiter hinten stehen, etwas mehr nach vorne gehören, wie ist das dann im wirklichen Leben? Steht dort vielleicht auch etwas Wichtiges hinten? Vielleicht hast du sogar etwas Wichtiges noch gar nicht aufgeschrieben, weil du dich nicht traust. Es soll aber „eigentlich“ auch in der Beziehung stattfinden, also, dann schreib es hin. Verschlüssle es, wenn du willst, kürze es ab, mach es unleserlich, aber schreib es hin. Auch wenn du meinst, es stehe dir nicht zu, es sei zu intim oder nicht wirklich „normal“. Schreib es hin!!
Und schau dir die Liste immer wieder an, mach dich mit ihr vertraut. Es sind deine Wünsche.
Und ich hoffe, dass dort auch ganz viele „unmögliche“ Dinge stehen. Dinge, für die du dich sonst schämen würdest. Denn sei dir sicher, mit dem richtigen Partner schämst du dich bestimmt nicht es gemeinsam auszuleben. Er soll doch schließlich die gleichen „unmöglichen“ Sehnsüchte haben.
Hast du nämlich einen Wunsch und lebst ihn nicht aus und stehst nicht dazu, darf dieser Anteil in deiner Beziehung nicht stattfinden. Dann hast du aber eine Partnerschaft, in der du nicht zur Gänze stattfinden kannst. Das ist kein wirklich guter Start. Also, horch in dich hinein. Diese Wunschliste ist ein laufender Prozess. Was immer dir in den nächsten Tagen noch einfällt und du hinzufügen möchtest, wandert dort hinein.
Aber wie immer gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille: Alles was du in der Beziehung haben möchtest, musst du auch selbst hineingeben. Denn Geben und Nehmen hält sich die Waage.
Du willst bestimmt auch nicht mit jemandem zusammen sein, der nur einfordert, aber selbst nichts zu bieten hat. Nur Forderungen stellen hört sich also nicht gerade sexy an. Was du haben willst, musst du auch bereit sein zu geben. Und das ist sicherlich schon weniger einfach.
Die große Frage ist also, und damit werden wir uns jetzt ausführlicher beschäftigen, was bist du bereit in eine Beziehung einzubringen?
Spalte II
Was ich bereit bin selbst einzubringen
Die zweite Spalte korrespondiert sehr eng mit der ersten. In diese Rubrik schreibst du, was du glaubst in einer Beziehung anbieten zu können.
Das ist sicherlich ganz ähnlich dem, was du dir selber auch wünschst. Steht bei dir zum Beispiel in der ersten Spalte der Wunsch „Treue“, muss man davon ausgehen, das Treue dir wichtig ist und du bestimmt auch treu sein willst. Andernfalls wäre die Forderung nach Treue ein bisschen lächerlich.
Oder möchtest du zum Beispiel, dass dein künftiger Partner immer ehrlich zu dir ist, so steht bei dir vielleicht in der linken Spalte – Absolute Ehrlichkeit. Das ist also das, was du von deinem Partner erwartest. Mit weniger bist du nicht zufrieden. Kein Schwindeln, kein Verschweigen, keine Untreue, keine Lügen, kein Zurückhalten, kein Hintergehen und auch keine Geheimnisse.
So weit so gut. Schon mal ganz prima. Aber du weißt ja: Was du forderst, musst du auch selbst einbringen.
Also schreib jetzt auf die rechte Seite auch das Wort – Absolute Ehrlichkeit. Das ist das, was du selbst einbringst. Also kein Schwindeln, kein Verschweigen, keine Untreue, keine Lügen, kein Zurückhalten, kein Hintergehen und auch keine Geheimnisse.
Was für eine Wirkung hat das jetzt auf dich?
Es ist deine Forderung an dich selbst.
Belastet es dich, wiegt es schwer oder entspricht das dem, wie du dich selbst siehst? Denn wenn du es selbst nicht kannst aber forderst, fühlt sich dein Partner übervorteilt.
Vielleicht ist es ja auch eher ein Ziel von dir. Dann formuliere es besser anders. „Das Ziel in meiner Beziehung sollte absolute Ehrlichkeit sein. Das ist es, was ich mit Hilfe meiner Beziehung verwirklichen möchte. Auf diese Grundlage einer Partnerschaft möchte ich hinarbeiten. Jeden Tag und immer ein kleines Stückchen mehr.“
Hört sich das besser an? Vielleicht etwas realistischer? Wenn du schließlich deine eigenen Worte gefunden hast, so schreib sie hinein. Nun musst du aber auch noch die linke Seite ausbessern. Dort musst du nun ebenfalls hineinschreiben: „Eines der Hauptziele unserer Beziehung sollte die Verwirklichung von absoluter Ehrlichkeit sein.“
Dann wird es so sein. Zum einen hat deine künftige Beziehung eine Aufgabe, einen tieferen Sinn, zum anderen ist dein Partner dir ebenbürtig. Er wird den gleichen Wunsch haben wie du und an sich arbeiten wollen. Es wird nicht immer funktionieren, aber es wird eine der Säulen eurer Beziehung sein. Ihr werdet in diesem Punkt beide reifen und erwachsen und frei werden.
Es wird also nicht jemand sein, dem Ehrlichkeit unwichtig ist. Du wirst nicht endlose Diskussionen führen müssen. Ihr wisst beide, worum es geht und woran ihr arbeiten wollt. Du wirst nicht immer perfekt sein, das ist absolut in Ordnung, aber du erwartest auch nicht, dass dein Partner es ist.
Also, jetzt weißt du Bescheid. Nun fang an mit der zweiten Spalte. Was alles bist du bereit auch wirklich in die Beziehung einzubringen?
Fertig? O.K.
Betrachten wir nun einmal beide Spalten ohne voreilige Schlüsse zu ziehen. Wir wollen nur wissen, ob du genauso viel Geben wie Nehmen kannst oder ob eine Seite überwiegt. Verlangst du mehr, als du bereit bist zu investieren? Oder willst du selbstlos geben, ohne selbst zu partizipieren? In beiden Fällen eine Schieflage, die Sprengkraft birgt und für eine wahre und tiefe Liebesbeziehung nicht förderlich ist.
Interessant an der Liste ist auch, ob Geben und Nehmen harmonisieren. Wenn du all das, was du willst, auch geben kannst, bist du im Fluss und wirst eine ausgeglichene Beziehung haben. Zumindest in diesen Punkten.
An manchen Stellen wird der Inhalt der beiden Rubriken aber nicht übereinstimmen. Vielleicht besitzt du etwas, das du einfach nur gerne gibst. Dann brauchst du aber einen Partner, der in diesem Bereich uneingeschränkt nehmen kann. Ohne Abnehmer nützt dir dein Angebot nämlich nichts. Dann sollte dies links ebenfalls auf deine Wunschliste.
Darüber hinaus solltest du dich auf jeden Fall intensiver prüfen, ob ausschließliches Geben dir auch wirklich reicht oder ob du nicht stillschweigend doch das Gleiche von deinem Partner zurückerwartest. Oder ob nicht vielleicht als Ausgleich in einem anderen Bereich eine stille Forderung von dir liegt,z.B. „Ich möchte schon, dass das, was ich tue, auch anerkannt wird.“ Dann gehört diese ebenfalls auf die linke Seite.
Es gibt auch sicherlich Qualitäten, die du noch nicht entwickelt hast, aber gerne haben möchtest, also Dinge in deiner Wunschliste, die du in der rechten Spalte nicht wiederfindest. Du hast zwar den Wunsch danach, kannst es aber nicht selber einbringen. Dann würde das ein Bereich in der Beziehung werden, in dem Entwicklung gefordert ist. Und zwar deine Entwicklung. Du wirst diesen Bereich bei dir ausbilden müssen. Die Partnerschaft wird dir hierbei helfen. Manchmal ist dies nicht immer ganz leicht, Entwicklung und Transformation sind eben nicht immer leicht. Aber...
Wenn du das Gleis kennst, auf dem du dich bewegst,
kennst du das Ziel, dem du entgegeneilst.
Und das macht die ganze Sache wesentlich angenehmer. Du weißt nun, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Je ehrlicher du jedenfalls mit deiner Liste umgehst und je besser du dich wirklich einschätzen kannst, desto schneller wird deine Entwicklung in der gewünschten Richtung sein.
Aber nicht weil du sagst, das will ich haben, her damit, sondern weil du verstehst, in welche Richtung du dich noch entwickeln musst. Du wünschst dir dann einen Partner, der dich bei dieser Entwicklung begleitet.
Und sei dir sicher, wenn es dir wirklich ernst ist, wirst du sehr schnell dieses Ziel in deiner Partnerschaft erreicht haben. Nicht, weil du forderst und einklagst, sondern weil du bereit bist, Entwicklung zuzulassen.
Im nächsten Kapitel befassen wir uns mit diesem Thema noch ausführlicher.
Beim genaueren Vergleich unserer Spalten erkennen wir nun auch, ob wir zum Beispiel überhaupt bereit sind, all die „unmöglichen“ Dinge, die in unserer Wunschliste sind, auch wirklich zu leben und sie als Angebot einzubringen.
Du erinnerst dich, das sind die Dinge, für die du dich normalerweise schämen würdest und die eigentlich keiner wissen soll. Dennoch sind es Sehnsüchte von dir. Je heimlicher, desto intensiver. Wenn diese Sehnsüchte nun nicht in der rechten Spalte zu finden sind, bringst du sie auch nicht in die Beziehung mit ein.
Aber warum bringst du sie nicht ein? Was hindert dich noch daran? Was begrenzt dich?
Wer in dir glaubt, dass dir so etwas nicht zusteht?
Oder genauer gefragt, welche Person in dir glaubt, dass dir so etwas nicht zusteht? Wessen Meinung vertrittst du in Wahrheit? Wer hat dir dies gesagt? Wessen Verbot ist es?
Du musst nicht sofort eine Antwort darauf wissen. Erlaube dir den Luxus auch einmal keine Antwort zu finden. Lass die Fragen einfach so stehen. Denn manche Fragen kann der Verstand nicht beantworten. Für viele Fragen ist er nicht zuständig. Meist will er diese Art von Antworten sogar eher verhindern. Aber Fragen finden ihre Antworten oft selbstständig.
Selbst wenn du jetzt nichts verstehst, versuche nicht nachzugrübeln. Vertraue einfach darauf, dass Fragen sich immer beantworten werden. Halte einfach die Frage aufrecht. Die Antwort wird kommen.
Nun kommen wir zu der Liste für die bereits bestehende Partnerschaft. Dabei betrachten wir unsere Beziehung einmal aus einem anderen Blickwinkel. Wir machen eine kurze Bestandsaufnahme, einen Kassensturz.
Welche Hoffnungen erfüllen sich und welche nicht? Was bekommst du von deiner Beziehung?
Nun, auf der linken Seite stehen deine Vorstellungen von deiner Idealbeziehung. Diese Spalte dürfte mittlerweile ziemlich angewachsen sein.
Aber wie sieht es nun rechts, auf deiner Habenseite, aus?
Also, fang an. Ich hoffe, wir müssen uns nicht wieder gegenseitig überlisten Ich vertraue dir. Du machst die Liste und ich schreibe die nächste Seite. Ich hoffe, die Liste wird lang.
Nun? Wie sieht es aus? Lass uns doch einmal wieder beide Spalten vergleichen.
Wo hast du weniger? Wo mehr? Ist die neue Liste genauso lang wie deine linke Spalte? Oder gibt es eine kleine Schieflage?
Bekommst du vieles von dem, was du dir erhoffst und ersehnst? Ist die Beziehung das, was du dir vorgestellt hast? Wenn nicht, werden zumindest die wesentlichsten Eckpfeiler erfüllt?
Es kann auch sein, dass du vielleicht etwas anderes, ganz Wesentliches stattdessen bekommst?
Vielleicht fällt dir auch jetzt noch etwas anderes auf. Vielleicht gibt es sogar mehr zusammenführende als trennende Faktoren. Du hast es bisher nur nie bemerkt.
Der ständige Blick auf deinen Mangel
verstellt dir den Blick auf deinen Reichtum.
Oft ist es nämlich so, dass von zehn Dingen neun wundervoll passen, wir aber immer nur auf den einen wunden Punkt starren und darauf herumhacken. Natürlich wird dann der Mangel an Bedeutung gewinnen und alles Wunderbare sich immer mehr verlieren. Betrachten wir eben immer nur das, was uns nicht behagt, wird uns irgendwann die ganze Beziehung nicht mehr behagen. Anders ausgedrückt:
Die Energie folgt der Aufmerksamkeit
Energy flows,
where attention goes
Besitzt du zum Beispiel ein Auto, das viele Vorzüge miteinander vereint, nur leider einen zu kleinen Kofferraum hat, kannst du mit dem Wagen glücklich werden oder an diesem einen Detail scheitern. Du kannst dich solange darüber ärgern, bis der ganze Wagen dir nicht mehr gefällt. Der Wagen war immer der Gleiche, mit all seinen unzähligen Vorteilen, Du hast nur seine Vorzüge nicht zu schätzen gewusst. Vielleicht aber hatte der Wagen eine Lernaufgabe für dich. Vielleicht schleppst du einfach immer zuviel Gepäck mit dir herum. Aber du warst nicht bereit dich zu ändern, lieber hast du den Wagen aufgegeben.
Vielleicht siehst du grundsätzlich zuviel auf das Negative. Und vielleicht fallen dir durch deine Liste nun die wesentlichsten Merkmale eurer Zusammengehörigkeit auf. Vielleicht sind es sogar ziemlich viele und du hast immer nur auf das wenige Trennende gestarrt. Vielleicht hast du das Verbindende nicht annehmen wollen, aus Angst, dass es nicht so bleiben könnte.
Der Blick auf das Negative ist nämlich so eine Sache. Oft können wir das Schöne gar nicht genießen, in Erwartung, dass das Schlechte eintreten wird.
Betrachte das, was du hast.
nicht das, was du nicht hast.
Konzentriere dich auf die Eigenschaften, die eurer Beziehung Kraft geben und sieh auf das, was euch zusammenführt. Dies stärkt die Partnerschaft und lässt die wesentlichen Elemente größer und machtvoller werden. Die trennenden Merkmale werden sich fügen, immer unbedeutender und kleiner werden und irgendwann keine Rolle mehr spielen. Weil ihr anderes, wichtigeres auf der „Spielwiese“ eures Zusammenseins gefunden habt.
Was aber, wenn du nun feststellst, dass auf der rechten Seite nur sehr wenig von dem zu finden ist, was du dir in deiner Beziehung wünschen würdest? Dann frage dich, warum das so ist. Warum hast du einen Partner angezogen, der nicht deinen bewussten Erwartungen entspricht? Wie steht es also mit deinen unbewussten Gedanken? Wenn du dir ganz offensichtlich etwas anderes wünscht, warum seid ihr dann zusammengekommen? Und was hält dich in dieser Beziehung, in der du eigentlich nicht sein willst? Vermutlich ist es etwas sehr Wesentliches. Sonst wärst du doch längst fort. Vielleicht wiegt ein einziger Punkt deine ganze, scheinbar trennende Liste auf. Such nach diesem Punkt. Irgendwo muss dort stehen, warum du in der Beziehung bist.
Vielleicht hast du in deiner Wunschliste etwas Wesentliches vergessen. Etwas, das genügend Kraft besitzt, dich in der Partnerschaft zu halten.
Es kann auch sein, dass du dich aus Verlustangst oder Minderwertigkeitsgefühlen mit weniger zufrieden gibst. Oder eines deiner wesentlichsten Muster korrespondiert mit denen deines Partners und bindet dich auf diese Weise an ihn. Vielleicht gibt es eine innerliche Schuld, die du glaubst abtragen zu müssen, oder dein Partner steht stellvertretend für deinen Vater oder deine Mutter. Vielleicht sind dir finanzielle Sicherheit oder ein umsorgender Vater für deine Kinder wichtiger als Nähe, Verbundenheit und Liebe. Betrachte einfach nur, was ist. Ohne es zu beurteilen. Vielleicht brauchst du tatsächlich finanzielle Sicherheit, um dich überhaupt öffnen zu können. Vielleicht würden beklemmende Überlebenskämpfe dir die letzte Kraft rauben.
Du hast immer den Partner, den du wirklich willst.
Wäre es nicht so, wärst du bereits über alle Berge. Alles hat einen tiefen Sinn in deinem Leben.
Wenn die Beziehung, die du hast, nicht deinen bewussten Wünschen entspricht, sagt dies jedenfalls in erster Linie etwas über dich aus.
Also keine Sorgenfalten, denn selbst wenn du mehr trennende als verbindende Faktoren findest, muss es dennoch etwas geben, das euch zusammenhält. Du hast genau die Beziehung, die du für deine Entwicklung brauchst und zu der du fähig bist. Sonst hättest du eine andere. Wenn du also nicht die Beziehung hast, die du haben willst, ist dies weder gut noch schlecht. Es ist jenseits aller Bewertungen. Es ist schlichtweg genau die Erfahrung, die du machen willst, damit deine Entwicklung weiter vorangeht.
Also finde heraus, warum du in dieser vermeintlich ungeliebten Partnerschaft verbleiben willst. Es kann hierfür viele Gründe geben, auch gute Gründe. Du fängst keine Beziehung bei Null an.
Deswegen ist es so wichtig, dass du erkennst, wo du dich gerade befindest. Je klarer dir deine Lage wird, umso eindeutiger kannst du die richtigen Fragen stellen. Die Liste hilft dir bei dieser Bestandsaufnahme. Sie ist das beste Hilfsmittel, um dich dir selbst vor Augen zu führen
Du zeigst dich dir selbst.
Dabei ist es nur notwendig den Fokus etwas zu verändern und neu auszurichten. Die Antworten liegen nämlich nicht bei deinem Partner sondern nur bei dir.
Stelle dir einfach immer wieder die Fragen: „Warum bin ich mit diesem Partner zusammen? Was ist der tiefere Sinn? Welche Erfahrung möchte ich machen? Ist diese Erfahrung älter als die Beziehung? Kenne ich diese Emotion schon von früher?“
Es gibt keine Antwort ohne eine Frage.
Das Spiel mit Frage und Antwort kennen wir ja schon. Die Antwort wird kommen. Morgen, übermorgen, nächste Woche. Sei einfach offen für die Antwort. Die Antwort wird kommen, solange du dich immer wieder auf die Frage fokussierst. Wenn die Antwort richtig ist, wirst du es fühlen. Die Antwort wird dich bereichern. Wenn die Antwort dich schwächt oder dich verbittert, sind es nur dein Ego oder der Verstand, die antworten. Die richtige Antwort hat Kraft und gibt dir Freiheit. Traue deswegen der schnellen Antwort nicht.
Die Antwort liegt bereits in der Frage.
Die richtige Antwort sitzt tief in dir drinnen und möchte schon immer, dass du sie zur Kenntnis nimmst. Lass dir Zeit. Leistungsdruck schadet hier nur. Es gibt auch nichts zu verstehen. Der Verstand hilft dir nicht weiter. Die Antwort besitzt eher emotionalen Charakter und stammt aus deinem Erfahrungsschatz. Vielleicht wirst du die Antwort nicht sofort mögen, weil sie mehr mit dir zu tun hat, als mit deinem Partner. Das ist sogar das, was sehr wahrscheinlich ist. Denn es ist dein Leben, um das es geht. Dein Partner ist zwar Teil deines Lebens, aber nur weil du es so willst. Bewusst oder unbewusst.
Die Antwort wird dir also einen Teil deiner persönlichen Matrix, deines ganz persönlichen Lebensplans zeigen.
Halte dich jedenfalls für die erwartete Antwort nach allen Seiten offen. Es könnte zum Beispiel auch sein, dass die Antwort weniger mit dir zu tun hat, sondern nur irgendwann von dir übernommen wurde. Also aus Meinungen und Vorstellungen deiner Eltern, Großeltern etc. besteht.
Die Antwort kannst du jedenfalls nicht ergrübeln. Vertraue einfach darauf, dass sie kommen wird.
Nur so nebenbei. Die Liste hier im Buch ist ziemlich nützlich, wenn du möchtest, dass dein Partner so „ganz zufällig“ einmal deine Wünsche und Vorstellungen von deiner Beziehung erfährt. Dann lass das Buch doch einfach mal „ganz unabsichtlich“ offen liegen. Vielleicht ist das ein ganz guter Anfang, um Dinge entspannt und locker anzusprechen.
Aber wundere dich nicht, wenn dein Partner vielleicht auch ein paar Anmerkungen hinzufügt und ups, ebenfalls „ganz zufällig“ offen liegen lässt.
Vielleicht zeigst du deine Liste sogar ganz direkt deinem Partner. Schäme dich nicht. Es ist dein Partner! Wem sonst willst du dich offenbaren? Mit wem sonst willst du dein Innerstes bereden?
Wenn es wirklich dein Partner ist, hat er vielleicht eine ähnliche Liste oder will, von dir inspiriert, nun selbst eine erstellen. Vielleicht erfährst du auf diese Weise ganz viel von seinen Wünschen und Sehnsüchten. Vielleicht ist er genauso einsam wie du. Vielleicht wartet er in seiner Sprachlosigkeit nur darauf, dass ihn jemand da heraus holt. Vielleicht wartet er auf ein Zeichen von dir? Wer sonst sollte ihm helfen?
Wenn es dir jedenfalls in der Beziehung nicht gut geht, geht es ihm ebenfalls nicht gut. Wenn du Distanz und Kälte spürst, spürt er es auch.
Aber ...
Dein Partner ist nur solange dein Gegner,
wie du ihn dazu machst.
Nimm ihn also besser als Vertrauten und Verbündeten. Vielleicht erstellt ihr sogar gemeinsam eine Liste. Wie würde eine wundervolle Partnerschaft zwischen euch aussehen? Und was hindert euch daran sie zu leben?
Vielleicht findet ihr ungeliebte Gemeinsamkeiten, die ihr gerne loslassen möchtet. Nichts jedenfalls ist schlimmer, als nicht zu kommunizieren. Redet, streitet, nähert euch an. Entdecke wieder deine Liebe zu ihm. Es geht ihm genauso wie dir. Nur mit einem Unterschied. Du weißt jetzt Bescheid.
Stehst du am Anfang einer Beziehung oder vor der Entscheidungsfindung, wäre es ebenfalls ganz ratsam, deinem künftigen Partner deine Liste zu zeigen. Dadurch gibst du ihm die Chance dich in deiner ganzen Tiefe zu erfassen. Gleichzeitig beschenkst du ihn mit deinem Vertrauen.
Und keine Sorge, du kannst dich nicht lächerlich machen. Wenn es der Richtige ist, hat er deine Wellenlänge. Dann denkt und fühlt er wie du.
Und heb die Listen auf, auch wenn du von Zeit zu Zeit immer wieder neue erstellst.
Wenn du sie irgendwann wieder einmal hervorziehst und vergleichst, wirst du erkennen können, wie rasant deine Veränderung vorangegangen ist. Und wie viel Arbeit du bereits geleistet hast. Es war deine Arbeit, die diese Entwicklung ermöglicht hat. Grund genug, stolz auf dich zu sein.