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Löse dich von deinen nicht erfüllten Hoffnungen



Alle Türen dieser Welt standen uns irgendwann im Leben einmal nach allen Seiten offen, die Chancen waren mannigfaltig.
Wir waren voller Hoffnungen und Pläne, hatten Ideen und eine genaue Vorstellung davon, wie unser künftiges Leben verlaufen sollte. In unserer Vorstellung waren wir sehr erfolgreich, beliebt und begehrt, führten eine wundervolle Partnerschaft und machten natürlich alles besser als unsere Eltern.
Wir waren überzeugt von unseren Fähigkeiten und Talenten und hofften, dass diese bald auch von anderen entdeckt werden würden. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die Welt uns gehören würde.

Aber dann hat sich das Leben doch anders entwickelt, und die meisten unserer Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Manche nicht einmal im Entferntesten.
Wir beschritten andere Wege als geplant, nahmen andere Abzweigungen als erhofft und konzentrierten uns auf Dinge, die uns vielleicht sogar immer weiter weg von der eigentlichen Erfüllung unserer Sehnsüchte führten.

Wenn wir heute auf unser Leben zurückblicken, können wir vielleicht nicht verstehen, warum sich unser Leben so völlig anders entwickelt hat, warum unsere Talente und Fähigkeiten nicht zum Tragen kamen. Warum hat das Leben dies nicht zugelassen? Warum war das Leben so ungerecht zu uns? Wir hatten doch ein klares, hoffnungsvolles Bild von uns.

Noch heute trägt so mancher dieses Bild von früher mit sich herum, diese Hoffnungen und Sehnsüchte von damals, und kann nicht verstehen, warum sie sich nicht erfüllt haben.

Oft sehen wir im Rückblick nur die Enttäuschungen und Verletzungen, die es gab, die Misserfolge und Niederlagen und natürlich auch die Momente, an denen wir ganz knapp an unserem Glück vorbeigerauscht sind, ohne es ergriffen zu haben. Wir sehen Hürden und Hindernisse, für die wir nicht bereit waren oder die wir nicht fähig waren zu beseitigen. Dies hinterlässt tiefe Spuren der Enttäuschung.
Ein Gefühl der Ungerechtigkeit bestimmt unsere Sichtweise auf unsere Welt und lässt uns nicht glücklich sein. Aus heutiger Sicht verurteilen wir das eigene Verhalten von damals als falsch und bedauern es, so unfähig gewesen zu sein. Aber:

Unsere heutige Sicht der Dinge lässt sich nicht auf unsere Handlungen von damals übertragen.

Dieses Bild von uns, das wir noch immer nicht losgelassen haben, obwohl es unserem heutigen Leben überhaupt nicht mehr entspricht, verhindert unser Glücklichsein.

Können wir unsere Vergangenheit nicht loslassen, fühlen wir uns ungerecht behandelt, vernachlässigt, abgewiesen, ausgegrenzt und beiseite geschoben. Wir fühlen uns nicht wirklich wahrgenommen in unseren Talenten und verrichten vielleicht eine Tätigkeit, die gar nicht unseren ursprünglichen beruflichen Fähigkeiten entspricht. Oder leben mit einem Partner zusammen, der mit unseren tatsächlichen Sehnsüchten und Vorstellungen einer erfüllenden Partnerschaft nichts zu tun hat.

Solange wir jenes alte Bild in uns tragen, das wir von frühester Jugend an für unser Leben gezeichnet hatten, werden wir das Scheitern weiterhin in uns tragen.
Solange wir nicht erkennen, dass dieses alte Bild nur eine Sehnsucht, eine Illusion, manchmal auch nur übersteigerte Tagträumerei oder Fluchtgedanken waren, solange wir uns von den Momenten in unserem Leben, an denen wir diesem Bild nicht gerecht werden konnten, nicht wirklich gelöst haben, werden wir unserem heutigen Leben nicht gerecht werden.

Darüber hinaus fördert dieser Blickwinkel Neid- und Eifersuchtsgefühle. Wir beneiden dann unsere Kollegen, die es besser und leichter haben als wir, Freunde, die eine wesentlich glücklichere Partnerschaft führen, und Bekannte, die Karriere machen. Wir beneiden oft sogar Menschen, die wir nur aus der Presse kennen, und versuchen unsere Unzufriedenheit zu lindern, indem wir ihren Erfolg schmälern.

Wir werden an dem Bild aus vergangenen Tagen, das wir von uns selber haben und an dem wir uns noch heute selber messen, immer wieder kläglich scheitern.

Sobald wir jedoch beginnen, dieses Bild in uns loszulassen und damit aufhören, all die Fehlschläge zu betrauern, all die Dinge ständig zu beweinen, zu denen wir nicht fähig waren, all die Chancen zurückzuwünschen, die wir nicht ergriffen haben, dann können wir uns einem neuen Weg widmen, und zwar einem, der uns wirklich entspricht.
Genau genommen standen uns immer nur die Türen offen, die wir auch bereit waren zu durchschreiten. Wir konnten immer nur die Chancen nutzen, die unserer damaligen momentanen Fähigkeit entsprachen.

Um wirklich zufrieden und glücklich im Fluss des Lebens zu sein, gilt es die Vergangenheit als gegeben anzunehmen, sich mit ihr auszusöhnen und zu erkennen, dass man damals sein Bestes gegeben hat, dass man damals seine Entscheidungen so getroffen hat, wie es einem zu jenem Zeitpunkt eben möglich war und wie man es für richtig hielt. Man sollte auch akzeptieren, dass das Leben damals – selbst wenn man sich anders, also richtig entschieden hätte – vielleicht gar nicht so erfolgreich in die Richtung verlaufen wäre, wie man es sich gern ausmalt. Vielleicht hätte jede andere Entscheidung in der Vergangenheit zu Kummer, Hoffnungslosigkeit und Überforderung geführt.

Wer weiß, wenn du damals diesen bestimmten Job bekommen hättest, ob du ihn damals auch als erfüllend erlebt hättest. Wer weiß, ob du die Partnerschaft, zu der du heute fähig bist, bereits damals in deiner Jugend, als du charakterlich noch nicht so stark und wissend warst wie heute, als glücklich erlebt hättest.
Mit ziemlicher Sicherheit hast du genau die Erfahrungen machen müssen, die du gemacht hast, um das Bewusstsein zu erreichen, das du heute hast.

Wenn du damals die Karriere als Sänger, Schauspieler, Manager, Gruppenleiter, Vorsitzender, Bankdirektor etc. wirklich gemacht hättest – wer weiß, ob du zu diesem Zeitpunkt in der Lage gewesen wärst, an vorderster Stelle zu stehen und die alleinige Verantwortung zu tragen.

Ich kenne einige Menschen, die bereits sehr früh – oft viel zu früh – eine Rolle im Leben übernehmen mussten, die sie mit ihren damaligen Wissen und Können völlig überfordert hat, und die noch heute unter diesen Erlebnissen leiden.

Betrachten wir doch einmal all die Menschen, die es scheinbar geschafft haben. Die Topmanager, die Stars in der Politik und all jene, die über den roten Teppich gehen. Wie zufrieden und glücklich sind die wirklich?

Betrachte einmal das, was du gerne hättest werden wollen. Und nun betrachte auch die Schattenseiten dieser Wahl. Dann merkst du jetzt vielleicht auch, dass es gar nicht mehr so sicher ist, ob dieses Leben auch wirklich so viel erstrebenswerter gewesen wäre?

Es ist jedenfalls müßig, vergangenen Dingen nachzuhängen. Mit all diesen Gedanken wie: „Was wäre gewesen, wenn …“ behindern wir uns nur selbst auf unserem heutigen Weg. Wir fühlen uns als Versager, als Niete, und können nicht erkennen, dass wir damals das Bestmögliche, das uns Bestmögliche getan haben.

Je mehr wir uns in diese Unzufriedenheit hineindenken, desto mehr entfernen wir uns von unserem heutigen Glück.

Oft werde ich gefragt, wie ich über meine eigene Vergangenheit denke, über meine vergangenen Partnerschaften und die Verletzungen, die ich mir nahe stehenden Menschen zugefügt habe. Wie ich all dies mit meinem heutigen Wissen beurteile, und ob es mir nicht leid tue, dieses Wissen nicht schon früher gehabt zu haben, den Menschen nicht schon früher mit der Liebe, die ich heute empfinde, begegnet zu sein. Ob ich dies nicht zutiefst bedaure.

Und immer antworte ich das Gleiche. Bedauern ist hier der völlig falsche Ansatz und wird der Wahrheit in keiner Weise gerecht. Denn damals habe ich mein Bestmöglichstes gegeben. Zu mehr war ich damals einfach nicht fähig. Ich besaß einfach nicht mehr Wissen, nicht mehr Ausgeglichenheit, Geduld oder Charakterstärke.

Ich habe damals einfach das Bestmögliche getan, dessen ich fähig war. Dass ich heute zu mehr fähig bin, nennt man Entwicklung. Wenn ich in zwanzig Jahren auf meine heutige Gegenwart zurückblicke, werde ich hoffentlich wiederum zu wesentlich mehr Dingen fähig sein als heute. Aber dann werde ich doch mit Sicherheit nicht das bedauern, was ich heute tue, nämlich mein Bestmögliches zu geben.

Wenn man sich weiterentwickelt,
erkennt man in der Vergangenheit immer seine damaligen Mängel.
Das nennt man Entwicklung.


Bedenke also immer, dass du auch heute dein Bestes gibst. Also genau das, dessen du fähig bist, mit all deinen Begrenzungen, deinen Fehlern und deinen charakterlichen Schwächen, die dir zu eigen sind.
Daher gibt es immer nur eines zu tun: Gib dein Bestes. Und wenn es Entwicklung gibt in deinem Leben, wirst du in zehn Jahren zu wesentlich mehr fähig sein als heute.
Dies ist kein Grund, alles zu bedauern, was in der Vergangenheit war. Es ist auch kein Grund, darüber traurig zu sein, was heute alles sein könnte, wenn du damals einen anderen Weg gegangen wärst.

Vielleicht hast du dich früher mit Dingen beschäftigt, die dir damals wichtiger waren als heute. Dann hast du heute eine andere Sicht auf die Dinge, als du sie damals hattest, und es wäre ungerecht, deine Vergangenheit mit deinem heutigen Wissen zu beleuchten.

Deine früheren Entscheidungen waren nicht falsch,
sonst hättest du sie damals nicht so getroffen.


Damals empfandest du sie als richtig. Nur weil du die Dinge heute anders, vielleicht auch weiser oder bewusster betrachtest, heißt dies noch lange nicht, dass die Dinge damals tatsächlich anders verlaufen wären, wenn du dich anders entschieden hättest. Vielleicht hättest du das Tempo damals gar nicht durchgehalten. Oder wärst gar nicht zu dem fähig gewesen, was heute deiner Wertvorstellung entspricht.

Es kann sein, dass wir tatsächlich schon damals wesentlich mehr Talente und Fähigkeiten mit uns herumtrugen, als wir verwirklicht haben, aber vielleicht waren wir einfach viel zu schüchtern oder zu scheu, sie auch zu äußern oder gar durchzusetzen.

Gerade aber weil diese Schüchternheit oder mangelnde Durchsetzungskraft ebenfalls ein Charakterzug von uns waren oder vielleicht sogar noch heute sind, hat es keinen Sinn darüber nachzudenken, was alles hätte werden können, wenn wir bereits damals diese Standfestigkeit besessen hätten, die wir vielleicht erst in den letzten Jahren in uns ausgebildet haben.

Vor vielen Jahren bot mir eine Plattenfirma einen Vertrag an, als sie entdeckt hatte, dass ich Gitarre spielte, eigene Lieder schrieb und mit meiner kleinen Band in Freizeitheimen auftrat. Wenn ich mir heute diese Bänder von damals anhöre und die Kraft der Songs spüre, dann bedaure ich es sehr, diese Chance nicht ergriffen zu haben.
Aber damals war ich nicht fähig dazu. Das Gefühl von Minderwertigkeit, ich könnte diesem Anspruch nicht gerecht werden, hinderte mich damals daran, den Weg als Musiker und Sänger einzuschlagen.

Ich glaubte, nicht singen zu können, war nicht davon überzeugt, dass meine Lieder eine größere Menge ansprechen würden, und befürchtete, dass die Plattenfirma nach wenigen Aufnahmen enttäuscht abwinken und mich nach Hause schicken würde.

Heute sehe ich diese Dinge völlig anders. Heute erkenne ich, welche Kraft meine Lieder schon damals hatten. Ich hatte also durchaus Talent. Aber eben nicht die Durchsetzungskraft.

Wäre ich damals dazu fähig gewesen, hätte ich die Chance auch ergriffen.

Vielleicht hat mich dieses Scheitern davor bewahrt, völlig verbrannt zu werden. Wer weiß, wie mein Weg wirklich verlaufen wäre. Vielleicht hätte die Kraft der Songs nur für eine LP gereicht, vielleicht hätte ich nie meine heutige Partnerin kennengelernt, niemals diese wundervolle Tochter gehabt. Vielleicht wäre ich niemals Schauspieler geworden, und vielleicht hätte ich niemals diese Bücher geschrieben, sondern würde immer noch an der Oberfläche des Lebens herumkratzen. Vielleicht wäre ich heute gar nicht glücklich.

Ich bin aber glücklich. Was will ich also mehr?

Glücklich bin ich jedoch erst geworden, als ich mich mit all dem Scheitern in meiner Vergangenheit ausgesöhnt habe.

Meine Persönlichkeit und mein Durchsetzungsvermögen waren damals einfach nicht stark genug. Mein Gefühl von Minderwertigkeit und dem Gefühl, nicht bestehen zu können, waren einfach so groß, dass ich dazu noch nicht in der Lage war.

Lange Zeit spürte ich eine tiefe Traurigkeit in mir. Immer wenn ich mir vorstellte, dass ich auch dort oben auf der Bühne stehen und ein Rockstar hätte sein können, fühlte ich mich minderwertig und als Versager. Ändern konnten diese Gedanken jedoch nichts an meiner damaligen Situation. Im Gegenteil, sie ließen mich einfach nicht glücklich sein, sie ließen mich nicht zufrieden sein mit dem, was ich gerade war.

Diese Gedanken verhinderten damals, dass ich aktiv am gegenwärtigen Leben teilnahm.

Würde ich diesen Gedanken noch heute Raum schenken, würde ich nicht die wundervolle Familie sehen, die ich habe, das Glück meiner Partnerschaft, den Erfolg meiner Bücher und die Anerkennung, die mir von vielen Lesern zuteil wird. Ich könnte den inneren Reichtum meines Lebens nicht sehen, den ich auf ganz andere Weise als geplant erhalten habe. Ständig würde ich mich durch solche Gedanken vom Glück des Lebens ausschließen.

Will man also sein Leben in die Hand nehmen, ihm eine neue Richtung geben oder die bestehende verstärken, gilt es, alle Gedanken an die Vergangenheit, an vertane Chancen loszulassen.

Man kann sie betrauern, vielleicht auch beweinen, aber dann muss man sie für immer gehen lassen.

Erst als ich begann, das Glück in diesen scheinbar „verpassten“ Chancen zu betrachten zu wollen, erkannte ich auch eine andere Wahrheit, die sich ebenfalls hinter jedem Ereignis versteckt. Es liegt also immer nur an uns, welche Wahrheit wir in unser Leben lassen wollen.

Ich habe mich für das Glück entschieden. Und du?

Betrachte deine Vergangenheit auf folgende Weise:


➢    Alles war genau richtig, wie es damals war.
 
➢    Alles kam zum richtigen Zeitpunkt.

➢    Alles entsprach deiner damaligen Entwicklung.

➢    Alle Entscheidungen führten dazu, dass du dich heute mit dem Gedanken beschäftigst, was dich wirklich glücklich macht.
 
➢    Jede „verpasste“ Chance bot dir eine neue, wesentlich bessere an.

➢    Sei dankbar für jede Entscheidung in deinem Leben.
 

 

 



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