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Die heilsame Kraft des Vergebens

 (Auszug aus "21 Wege die Liebe zu finden")

 

Viele Menschen kennen Liebe nur als Verletzung.

Halten wir an dieser Erfahrung fest,

verletzen wir uns immer und immer wieder.

 

 

Es ist nicht immer leicht, anderen Menschen zu vergeben. Viele von uns haben so zahlreiche seelische Verletzungen erlitten, dass sie nicht mehr vergeben können oder wollen. Sie sind misstrauisch geworden. Ihren Freunden gegenüber, ihrem Partner und natürlich erst recht so etwas Intimem wie der Liebe gegenüber. Sie möchten nicht, dass ihnen noch einmal etwas Ähnliches widerfährt. Sie wollen nicht erneut verletzt, zurückgewiesen oder überfordert werden.

Dabei sollte man allerdings folgendes bedenken: Man vergibt anderen nicht um deretwillen, sondern einzig und allein für sich. Nicht zu vergeben heißt nämlich, die Wut und den Groll und all die Ungerechtigkeiten zu behalten.

 

Wenn wir nicht vergeben, bestrafen wir uns selbst.

 

Trotzdem würden wir in bestimmten Dingen unseren Mitmenschen am liebsten niemals vergeben. Warum? Vergeben bedeutet scheinbar, genau das aufzugeben, was uns am meisten Vorteile verspricht.

Wenn wir nicht vergeben, halten wir andere in der Schuld, und diese lässt sich prächtig nutzen. Sie ist wie eine Währung, mit der man den anderen bezahlen lässt. Die Währung heißt Schuldgefühle. Mit ihnen halten wir unser Gegenüber klein und unfrei, und er kann jederzeit zurechtgewiesen werden.

Sich selbst setzt man auf einen Sockel, auf dem eingemeißelt steht, was für ein wundervoller und zu Unrecht verletzter Mensch man doch ist. Man fühlt sich dadurch besser und dem Partner überlegen. Man fühlt eine scheinbare Stärke und Rechtschaffenheit, die man sonst nicht hätte. Eine wundervolle Partnerschaft wird man auf diese Weise jedoch garantiert nicht bekommen!

 

Denn diese Währung kostet uns unsere Lebendigkeit.

 

Wenn man nicht vergeben kann, hält man seine Mitmenschen auf Abstand. Man lässt sich nicht mehr offen ein. Man entscheidet sich – meist unbewusst -, lieber ohne Intimität und wahre Nähe zu leben, als erneut den Schmerz der Vergangenheit zu erfahren. Man darf sich dann allerdings nicht wundern, wenn die Partnerschaft, keinen Spaß macht.

 

Die Beziehung wird dann ein trauriger Fluss von Schuldzuweisungen.

 

Auf diese Weise wird nicht nur das Zusammenleben mit dem Partner eine ganz eigene Schwere bekommen, auch wird man nur selten wirklich wundervollen Sex haben. Denn wenn man nicht vergeben kann, dann ist der beste Sex meist der mit sich allein. Natürlich versucht man trotzdem, Sex mit einer anderen Person zu haben, die man in diesen intimen Momenten entweder anlügt oder ihr zumindest etwas vortäuscht. Oder man täuscht sich selbst etwas vor, redet es sich schön und hat Sex, ohne Nähe zuzulassen. Das führt früher oder später dazu, dass man den Respekt vor seinem Sexpartner verliert. Oder vor sich selbst. 

 

Wenn man nicht vergibt,

nimmt man sich und seinem Partner die Würde.

 

Vergeben heißt, die Vergangenheit loszulassen. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn sicherlich hat man gute Gründe, warum man nicht vergeben kann oder will. Es wurde einem übel mitgespielt, daher will man die anderen nicht so leicht davon kommen lassen. Sie sollen für das, was sie einem angetan haben, bezahlen. Aber das werden sie nicht tun. Man zahlt immer nur selbst, auch wenn der Anlass lange zurückliegt. Manchmal ist es sogar so lange her, dass man die eigentliche Ursache für sein unversöhnliches Verhalten längst vergessen hat.

 

Wie wissen wir, ob wir überhaupt etwas zu vergeben haben?

Wenn es in unseren Beziehungen immer wieder ähnliche „Verletzungen“ gibt, immer wieder tiefe Enttäuschungen, sollten wir uns fragen, wer hier der eigentliche Auslöser dafür ist. Ich weiß, dass sich das für uns selbst anders anfühlt, aber die Wahrheit ist, dass es sich meist um ein ständiges Wiederholen der eigenen Vergangenheit handelt, die man nicht loslassen will. Wenn man also in der Partnerschaft immer wieder ähnlich Unerfreuliches erfährt, sollte man überprüfen, wo man nicht vergeben kann. Welche negativen Erfahrungen kann man nicht loslassen?

Solange man nicht vergibt, lebt man mit dem Ärger und all der Ungerechtigkeit weiter und stülpt seine negativen Vorurteile dem gegenwärtigen Partner über. Auf diese Weise nimmt man seinen Partner nicht so wahr, wie er wirklich ist, sondern nur so, wie man ihn sehen will. Man kitzelt immer nur die Eigenschaften aus ihm heraus, die einen in der eigenen „katastrophalen“ Meinung bestätigen, um seinem Partner dann stellvertretend vom Sockel zu stürzen. Für die Vergehen anderer aus der Vergangenheit lässt man also immer und immer wieder den aktuellen Partner heute bezahlen.

Will man das wirklich? Will man wirklich, dass die aktuelle Beziehung noch von den Dingen aus längst vergangenen Beziehungen bestimmt wird? Es gibt Menschen, die nehmen ihre Wut sogar mit ins Grab. Will man einer von ihnen werden? Die Missetäter sind längst tot, aber man behindert noch immer mit seiner Unversöhnlichkeit das eigene Leben. Und das Leben des Partners. Oft muss er stellvertretend für etwas geradestehen, das er gar nicht verursacht hat.

Wenn man nicht vergeben kann, erwartet man unbewusst von seinem Partner Wiedergutmachung. Aber unser Partner kann nicht alles wieder gutmachen, was uns früher angetan wurde.

 

Ohne Vergebung gibt es keinen Neuanfang.

 

Will man wieder in die Lebendigkeit einer wundervollen Partnerschaft einsteigen, kommt jeder von uns früher oder später an den Punkt, an dem wir etwas vergeben müssen. Dem Vater, der Mutter, den früheren Geliebten und natürlich auch dem eigenen Partner.

Aber wie vergibt man? Wie wird man den ganzen Ballast los?

Vergeben bedeutet, alle Gedanken an Rache und Wiedergutmachung bedingungslos aufzugeben. Für immer. Es gibt kein: „Ich vergebe dir, wenn du es nicht wieder tust.“ oder ein: „... wenn du mich ab jetzt besonders lieb behandelst“, etc. Durch Bedingungen halten wir den anderen nur wieder in Unfreiheit und in Schuld. Er hat nicht die gleichen Rechte wie wir, er hat etwas verwirkt.

Wenn wir jemandem vergeben, tun wir dies nicht, um die Situation für alle Beteiligten annehmbarer zu gestalten, sondern wir vergeben ausschließlich, damit das eigene Leben angenehmer wird. Beim Vergeben geht es also immer nur um uns und um niemand anderen. Es geht einzig und allein um unser Glück und unsere Zufriedenheit.

 

Das bedeutet nicht, dass wir unsere Wut oder unsere Verletzungen leugnen müssen. Es ist ganz normal, sich zu ärgern, wenn man ungerecht behandelt wird. Aber es bedeutet, dass man ab einem gewissen Punkt die Vergangenheit ruhen lassen kann. Ansonsten entsteht tiefer Groll, der den Ärger regelrecht einlädt, immer wieder unser Leben zu beeinflussen.

Vergeben ist auch nicht damit gleichzusetzen, dass es keine Konsequenzen gibt. Wenn man ernst genommen werden will, sollte man sie auch ziehen. Aber Konsequenzen haben mit Vergeben nichts zu tun. Man kann vergeben und gleichzeitig Konsequenzen ziehen. Man sollte aber niemals Konsequenzen ziehen ohne zu vergeben, sonst bleibt einem der ganze seelische Müll erhalten.

 

Beim Vergeben verzeihen wir dem anderen,

ohne gutzuheißen, was er getan hat.

 

Es bedeutet also nicht, dass man die Beziehung aufrechterhalten muss, sondern es heißt ganz einfach, dass man seinen inneren Frieden findet, dass man nach vorn sieht und nicht ewig die gleichen Leidensgeschichten vor dem inneren Auge ablaufen lässt. Sonst nimmt man die angestaute Unversöhnlichkeit mit in die nächste Beziehung.

 

Vergeben ist gerade dann wichtig, wenn man schon längere Zeit mit dem Partner zusammen ist. In jeder Partnerschaft gibt es Verletzungen. Schließlich stehen wir dem Partner so nah, dass wir zwangsläufig auch unsere Schattenseiten offenbaren, und das kann eine Menge Verletzungen mit sich bringen. Halten wir an diesen Verletzungen fest, dann lassen wir unseren Partner nicht frei. Er kann uns nicht mehr unbekümmert begegnen.

Erst vollständiges Vergeben lässt wieder Nähe und Vertrautheit entstehen. Befreit und losgelöst können wir die Zweisamkeit mit unserem Partner wieder genießen. Wir begegnen ihm wieder in Augenhöhe und können neu auf einer gemeinsamen Ebene beginnen.

Vergeben ist also die schnellste Möglichkeit, die Liebe wieder zurückzuholen. Möchten wir unser Leben in vollen Zügen genießen, wird uns jedenfalls nichts anderes übrig bleiben, auch wenn wir mitunter auf harte Proben gestellt werden.

 

Nichts verletzt die Liebe so tief und nachhaltig wie Untreue. Am Anfang der Beziehung vertraut man der Liebe und glaubt, dass sie für immer bleiben wird. Man ist glücklich und stolz. Man hat es besser als alle anderen mit ihren ewigen Beziehungsproblemen. Aber man sich zu hundert Prozent sicher sein? Ist absolute Treue, in einer Welt, in der Sex und Konsum an erster Stelle steht, überhaupt möglich?

Die Antwort ist ziemlich ernüchternd. 64 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer gehen fremd. Manche tun dies hin und wieder, einige mehrmals und erstaunliche 30 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen gehen sogar regelmäßig fremd.

Der klassische Ausrutscher, der berühmte One-Night-Stand ist dabei eher selten. Bei über 46 Prozent der Frauen läuft die heimliche Affäre stets über mehrere Monate. Männer stehen dem in keiner Weise nach.

Wenn jede zweite Partnerschaft früher oder später mit dem Thema Untreue konfrontiert werden wird, liegt es durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass es auch uns treffen kann. Wieso sollte es ausgerechnet bei uns anders ablaufen? Was unterscheidet uns von den anderen Paaren, die ebenso hoffnungsvoll begonnen haben? Was genau fehlt überhaupt in den meisten Partnerschaften nach so kurzer Zeit, dass mehr als die Hälfte aller Partner in einer festen Beziehung fremd geht?

Glaubt man den Statistiken, suchen viele von ihnen die Geborgenheit und Anerkennung, die sie beim Partner nicht mehr bekommen. Die meisten werden allerdings durch Defizite in ihrem Sexualleben zu einer Affäre getrieben. Männer wie Frauen suchen beim Seitensprung also etwas, was sie doch eigentlich in einer festen Partnerschaft finden sollten. Nämlich Zärtlichkeit, Liebe und natürlich ganz normalen Sex. Aber den scheint es im Laufe einer längeren Beziehung nicht mehr zu geben.

Kein Bereich in der Partnerschaft entwickelt sich so schlecht wie die Sexualität. In den ersten Jahren sinkt die sexuelle Zufriedenheit rapide, dümpelt dann auf niedrigem Niveau herum und erlischt schließlich ganz.

 

Ein Freund sagte mir einmal scherzhaft, wenn wir im ersten Jahr unserer Partnerschaft bei jedem Mal Sex einen Euro in eine große Vase legen würden und dann ab dem zweiten Jahr jedes Mal, wenn wir Sex haben, wieder einen Euro herausnähmen, könnten wir sicher sein, dass die Vase nie leer würde. Das hört sich spaßig an, bestätigt aber leider die traurige Tatsache, dass nahezu jede Beziehung diesem Abwärtstrend unterliegt, mag die anfängliche Liebe auch noch so überschwänglich gewesen sein.

Das Fatale daran ist vor allem, dass beide Partner die tiefen Verletzungen, die sie sich durch gegenseitige Nichtachtung zufügen, durchaus spüren. Denn wenn die Sexualität in der Partnerschaft nicht mehr ausgelebt wird, fühlen wir uns in der Tiefe unseres Herzens um unsere Liebe betrogen. Und gerade weil diese Verletzungen so tief gehen, schaffen es meist beide nicht, aus diesem Kreislauf des Schweigens auszusteigen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So liegen Nacht für Nacht unendlich viele Paare einsam und gelangweilt nebeneinander, unterdrücken ihre wahren sinnlichen Wünsche, trauen sich erst recht nicht, über ihre sexuellen Sehnsüchte zu sprechen und flüchten heimlich in sinnliche Fantasien, in denen der Partner keine Rolle mehr spielt.

Irgendwann kommt der Moment, an dem beide resignieren und innerlich aus der Beziehung aussteigen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt investiert man keine Gefühle mehr. Man empfindet den Alltag nur noch als Last, geht im Organisieren unter, meidet jegliche Nähe und streitet über die kleinsten Dinge. Wir alle kennen solche Paare, die es weder geschafft haben ihre Liebe aufrecht zu erhalten, noch sich zu trennen. Das ist wahrlich kein erstrebenswertes Ziel.

Daher gehen viele Partner heimlich fremd und vertrauen sich Freunden oder Außenstehenden an, die dann viel mehr über das intime Leben wissen als der eigene Partner.

 

Wenn die Liebe stirbt, stirbt auch die Hoffnung.

 

Jedem Kapitel in diesem Buch ist der Appell übergeordnet, es nicht so weit kommen zu lassen, nicht den ewig gleichen Weg zu gehen, den eine konsumorientierte Gesellschaft vorlebt. Denn wenn wir fliehen, fliehen wir auch vor der einzigen Möglichkeit, wahrhaftige, tiefe Liebe in unserem Leben zu erfahren.

Entsteht mit der Zeit der Wunsch auszubrechen, und sei es nur für eine Nacht, so ist dies prinzipiell nicht verwerflich, sondern ein deutliches Indiz dafür, dass es inzwischen an Spannung in der Sexualität mangelt. Mit Sicherheit gibt es mittlerweile auch jede Menge Enttäuschungen und Tabus, über die nicht gesprochen wird. All dies heißt aber noch lange nicht, dass man sich nicht mehr liebt. Man schenkt der Liebe nur keine Aufmerksamkeit mehr. Eigentlich zeigt der Wunsch nach einer Affäre nur, dass man ziemlich stark in den eigenen Mustern gefangen ist und insgeheim glaubt, es würde einem woanders besser ergehen.

Da dem aber nicht so sein wird und wir, wohin wir auch fliehen, bald wieder in einem ähnlichen Kreislauf stecken, könnten wir doch genauso gut jetzt damit beginnen, die Liebe in unserem Leben zuzulassen.

 

Die beste Strategie, einem Seitensprung vorzubeugen, ist die Chance zu nutzen und miteinander zu reden, und zwar über alles, was einem wirklich wichtig ist. Vor allem sollten wir über das sprechen, was die meisten von uns so gern vermeiden. Das Gespräch über den Sex, den man miteinander erlebt.

 

Sex ist mit dem eigenen Partner am schönsten.

Man muss es nur tun.

 

Erst wenn wir über unsere Wünsche und Sehnsüchte im Bett zu reden beginnen, können sie vom Partner wahrgenommen und umgesetzt werden. Teilen wir sie nicht mit, finden sie schlichtweg nicht statt. Wir haben dann nie die Chance, unser Repertoire zu erweitern. Genau darum geht es aber, nämlich die Langeweile im Bett zu durchbrechen, die ewig gleiche Routine, begleitet von der ewig gleichen Sprachlosigkeit.

 

Wer sich im Bett der Liebe hingeben kann,

muss die Welt nicht mehr erobern,

er besitzt sie bereits.

 

Wir haben Angst, unserem Partner unsere Vorlieben zu beichten. Wir befürchten, dass sie nicht ankommen werden. Wir haben Angst, abgewiesen zu werden. Dabei verhält es sich genau umgekehrt. Wenn wir nicht über unsere Sinnlichkeit reden, weisen wir unseren Partner ab. Dann schieben wir ihn in der Tiefe unseres Herzens weit von uns und machen ihn für die Flaute im Bett verantwortlich, ohne selbst Verantwortung dafür zu übernehmen.

Dabei sind wir keine Ausnahme, selbst die Wortwitzigsten werden im Bett oft zu schweigsamen Zauderern, imponierende Draufgänger zu verletzten Kindern. Beim Sex spüren wir die anerzogenen Tabus unglaublich intensiv.

Natürlich haben wir vor einem Gespräch – das dem Partner die eigenen Tiefen offenbart - Angst, denn wir kennen das Ergebnis nicht. Schon gar nicht, nachdem wir so lange so beharrlich geschwiegen haben. Genau genommen geht es an so einem Punkt um eine längst überfällig gewordene Bestandsaufnahme. Aber wenn wir nicht reden, wird die Unzufriedenheit größer und die Wahrscheinlichkeit einer Affäre stetig wachsen. Nach einem Seitensprung ist jedes Gespräch ungleich schwerer und jeder Neuanfang der gemeinsamen Liebe fast unmöglich.

Bevor man sich also heimlich in eine Affäre stürzt, sollte man wenigstens den Versuch unternehmen, offen anzusprechen, warum es einem in der Beziehung nicht mehr gut geht und warum man den Wunsch verspürt, auszubrechen.

 

Rede über deine Gedanken und über das, was du innerhalb der Partnerschaft vermisst.

 

Wir sollten dem Partner ruhig sagen, dass wir ihn lieben, aber trotzdem unzufrieden sind. Dass sich diese Unzufriedenheit nicht mehr unter den Teppich kehren lässt. Wir sollten uns die Frage stellen: Was können wir tun, damit wir uns nicht noch mehr verlieren?

Wir sollten unserem Partner die Chance geben, sich mit uns auseinanderzusetzen, bevor die Beziehung in Scherben liegt. Wir sind ehrlich. Unser Partner ist uns unsere Ehrlichkeit wert. Wir rütteln auf, bevor es zu spät ist.

 

Partner ändern sich nie, weil sie wollen,

sondern immer nur, weil sie müssen.

 

Wir haben Erwartungen an das Leben, die nicht immer erfüllt werden. Aber es steht uns zu, darüber zu reden und sie zumindest auf diese Weise in der Partnerschaft stattfinden zu lassen.

Je länger man mit einer Aussprache gewartet hat, desto mehr wird wahrscheinlich an die Oberfläche kommen. Haltet es aus. Beide. Es ist der beste und schnellste Weg um zurück zur gemeinsamen Liebe zu finden – und zu vergeben. Endlich sind wir wieder wahrhaftig, leben nicht länger nebeneinanderher, wir betreffen und machen betroffen. Wir verschweigen uns nicht länger die Wahrheit.

Dabei ist es interessant zu erfahren, was sich der gefährdete Partner von der möglichen Abwechslung erhoffen würde. Denn dies zeigt meist, woran es in der Beziehung mangelt. Dem Partner kann vergeben werden, denn nur weil er nach Neuerungen innerhalb der Beziehung sucht, ist er nicht von vornherein böse. Er will die Beziehung lebendig halten. Er will sich nicht mit der Monotonie abfinden.

 

Nichts ist schlimmer als zwei Menschen, die innerlich aufgegeben haben.

 

Wenn man sich nicht immer wieder um den anderen bemüht und versucht, die Erotik lebendig zu halten, wird die Sehnsucht nach jemand anderem zunehmen. Wenn man sich lieber beleidigt oder verletzt zurückzieht, verstärkt man im Partner den Wunsch nach etwas Neuem.

Wesentlich besser, wenn auch nicht leichter, ist es, wieder an den Gefühlen des Partners teilzuhaben, Verständnis zu entwickeln, Ursachen zu erforschen, Erneuerung innerhalb der Partnerschaft zu suchen. Hier liegt die größte Chance für beide. Wenn wir es immer wieder schaffen, gemeinsam Wagnisse einzugehen, Tabus zu hinterfragen, und sich jeden Tag ein bisschen weiter vorzuwagen und stets ein bisschen mehr an Nähe zuzulassen, erleben wir das, wonach wir uns so sehr sehnen: das wundervolle Gefühl der Liebe.

Aber Liebe fällt uns nicht in den Schoß. Schon gar nicht in der Partnerschaft. Vor allem deshalb nicht, weil man uns nie beigebracht hat, wie wir uns zu ihr hin bewegen können.

Es ist aber möglich. Gemeinsam ist es möglich.

 

Es gibt keinen größeren Liebesbeweis,

als mit seinem Partner um Wahrhaftigkeit zu kämpfen.

 

Letztendlich verläuft jede Partnerschaft ähnlich. Nach der wundervollen Phase der Verliebtheit, kommt zwangsläufig eine Zeit, in der die Sexualität immer mehr nachlässt und stattdessen die berühmten Machtkämpfe beginnen. Überleben wir aber diese letzte Phase, beginnt die wundervolle Zeit des schöpferischen Miteinanders. Dazu müssen wir aber die Liebe immer wieder aufs Neue wachrufen. Natürlich auch die körperliche Liebe. Es liegt immer nur an uns selbst, ob es uns gelingt, die Sinnlichkeit in unserer Partnerschaft wieder aufzufrischen, zu erweitern und natürlich auch immer wieder die eigenen Tabus zu durchbrechen. Wer sonst sollte es für uns tun?

Freue dich also, wenn dein Partner nicht aufgeben mag. Du bist ihm wichtig. Er will seine Sinnlichkeit schließlich mit dir erleben. Was gibt es dagegen einzuwenden? Auch wenn es unbequem ist, auch wenn es weh tut, freue dich wenn dein Partner mit dir um die gemeinsame Weiterentwicklung kämpft.

 

Doch was macht man, wenn die Situation schon ziemlich verfahren ist? Wenn einer der beiden bereits eine Affäre hat?

 

 

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Durch die neue Situation fragt man sich plötzlich, ob man den Partner überhaupt noch liebt oder ob es nicht eigentlich längst vorbei ist?

Dabei sollte man aber immer bedenken, dass die Unzufriedenheit mit dem Partner und die Unfähigkeit, darüber zu reden auch viel Selbstverschuldetes beinhaltet. Man hat schließlich kräftig an der sexuellen Langeweile mitgebastelt.

 

Durch einen Seitensprung vermehren wir jedenfalls nicht unser Glück. Im Gegenteil, die Probleme in der Partnerschaft wachsen gewaltig. Denn möchte man die Beziehung weiterhin aufrechterhalten, muss man nun wesentlich mehr investieren, um wieder Vertrauen herzustellen. Meist ist die Enttäuschung des Partners so groß, dass sie auch noch nach Jahren zu spüren ist.

 

Hinter jedem Betrug steht ein Betrogener,

dessen Leben für immer verändert wird.

 

Man wird also viel Arbeit verrichten müssen, um den eigenen Partner wieder aufzubauen. Denn Verrat bleibt immer präsent. Wenn man sein Leben und seine Partnerschaft also verbessern möchte, ist ein Seitensprung mit Sicherheit die schlechteste aller Alternativen.

 

Warum soll man es beichten? Warum überhaupt darüber reden? Warum nicht stillschweigend genießen?

Weil dies alles nur noch schlimmer macht. Weil dies erst recht das Ende der Partnerschaft bedeutet. Der Intimitätsverlust ist einfach zu gewaltig. Darüber hinaus muss man noch Liebe, Nähe und Vertrauen vortäuschen, obwohl all dies längst nicht mehr stattfindet.

Man entzieht der Partnerschaft immer mehr an Energie und lässt den Partner emotional aushungern. Das Ende ist abzusehen. Je länger das Stillschweigen andauert, desto schwerer wiegt der Verrat, desto größer sind die Verletzungen und Wunden, die man dem geliebten Partner zufügt.

Es ist eigentlich seltsam, warum wir dies nicht sehen wollen. Würden wir ein solches Geschäftsgebaren an den Tag legen, würden wir unsere Glaubwürdigkeit für immer verlieren.

Oder hätten wir einen solchen Geschäftspartner, der verheimlichen, unterschlagen, betrügen, belügen, übervorteilen, bestehende Verträge ohne unser Wissen aufkündigen, heimlich mit der Konkurrenz zusammengehen würde, dann würden wir mit einem solchen Menschen nie wieder etwas zu tun haben wollen. Warum sollte dies unter dem Vorzeichen der Liebe anders sein?

Beichten hat allerdings nur dann einen Sinn, wenn man ernsthaft an Lösungen interessiert ist und die Affäre bereits beendet wurde, ansonsten vergrößern sich die Probleme nur. Leugnen ist übrigens die schlimmste Variante, die man wählen kann. Ahnt der Partner bereits etwas, wird sein Misstrauen nur zunehmen, bis er endlich Gewissheit gefunden hat. Jegliches Vertrauen ist dann so gut wie gar nicht mehr möglich.

 

Kann man nach einem Seitensprung die Liebe wiederfinden?

Die Tragfähigkeit einer Beziehung ergibt sich immer aus der Liebe und Zusammengehörigkeit der Partner. Aber gerade die Liebe wird durch die tiefen Verletzungen eines Seitensprungs auf eine harte Probe gestellt. Wirklich überstehen kann das eine Partnerschaft nur, wenn beide anerkennen, dass es einen Mangel in ihrer Beziehung gegeben hat, an dem beide Mitschuld tragen. Wir müssen also verstehen lernen, dass es in einer Partnerschaft niemals nur einen Täter und ein Opfer gibt, sondern immer zwei Täter.

Nur wenn die Gründe, die zum Seitensprung geführt haben, beseitigt werden können, wird es vielleicht beim einmaligen Ausrutscher bleiben.

Ein Seitensprung zwingt also beide Partner, ihre Positionen neu zu überdenken. Ein Seitensprung zeigt klar die Grenzen der Beziehung auf und ist eine der massivsten Forderungen. Durch das Aufkündigen der Treue werden beide gezwungen, sich wieder aktiv mit der Beziehung auseinander zu setzen. Was wollen wir? Weswegen sind wir eigentlich zusammen? Was macht uns als Paar aus? Was fehlt dir? Warum bin ich nicht bereit, es dir zu geben?

Das Wichtigste ist also, immer und immer wieder darüber zu reden. Es wird also mit Sicherheit nicht leicht werden. Sind aber beide zu dem Schluss gekommen, dass sie beieinander bleiben wollen, weil es da ein Grundgefühl von Liebe gibt, weil sie Kraft und Vertrauen aus ihrer Gemeinsamkeit schöpfen, weil sie trotz aller Schmerzen an sich als Paar glauben, weil sie vergeben können, dann hat die Beziehung die Chance eine vollkommen neue Tiefe zu bekommen.

 

Gemeinsam überstandene Krisen stärken eine Partnerschaft.

 

Aber man sollte also keine schnellen Wunder erwarten. Denn schließlich gilt es, eine neue, ehrliche und wahre Intimität aufzubauen.

Aber wenn wir es schaffen, unseren Partner näher als zuvor an uns heranzulassen und gemeinsam durch all die Schmerzen und Krisen, durch all die Tränen und Vorwürfe zu gehen, wächst etwas zusammen, das kein Sturm der Welt so schnell mehr zu trennen vermag. Vergibt man sich gegenseitig und öffnet sich wieder für die gemeinsame Liebe und für das Abenteuer der Partnerschaft, dann öffnet man sich auch wieder für eine erfüllte Sexualität und einer vollkommen neuen Innigkeit.

Wir können nun zeigen, zu welcher Stärke wir fähig sind. Wir könnten nun wahre Experten an Vertrauen, Intimität, Vergebung, Nähe, Wahrhaftigkeit, Kommunikation, Liebe und Sinnlichkeit werden. Wir können uns gegenseitig zu einer ungeahnten Verbundenheit führen. Hinter all den Verletzungen steckt nämlich das eigentlich Wunder: Heilung. Wir entwachsen alten Mustern. Wir vergeben und wagen einen Neuanfang.

Warum also nicht mit dem bisherigen Partner alle Scherben gemeinsam auffegen? Was haben wir jetzt noch zu verlieren? Wir haben doch bereits alles verloren. Jetzt könnten wir nur gewinnen. Wenn der gemeinsame Wunsch nach Heilung besteht und man fest entschlossen ist, gemeinsam weiterzugehen und sich zu einer neuen tiefen Liebe zu bekennen, wird das Wunder geschehen, nach der sich alle Paare sehnen.

 

Es gibt kein größeres Wunder

als die Liebe selbst.

 

Wie kann man feststellen, ob man jemandem wirklich vergeben hat?

Wenn man vergeben hat, fühlt man sich leichter und befreiter. Vielleicht hat man auch das Gefühl, mehr Energie zu haben. Man wird nicht mehr darüber nachgrübeln, wie schlecht und ungerecht man behandelt worden ist. Mit Sicherheit wird die Beziehung zu dem Menschen, dem man vergeben hat, wesentlich klarer werden.

 

Man ist nicht mehr Opfer der Vergangenheit.

 

 

 

 

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siehe auch


Vergebung ist ein wichtiger Schritt für unsere Zukunft

 



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